Ulrich Hamann, Bundesdruckerei
Ulrich Hamann, Bundesdruckerei

„Sichere Identitäten sind
die Basis für verlässliche
E-Mail-Verschlüsselung.“

Ulrich Hamann, Bundesdruckerei

Im Rahmen der Digitalen Agenda 2014-2017 der Bundesregierung wurde im Novem-ber 2015 die Charta zur Stärkung der vertrauenswürdigen Kommunikation veröffent-licht. Die Initiatoren bekennen sich in acht Punkten zu dem Ziel, die Bundesrepublik Deutschland als international führenden Verschlüsselungs-Standort zu etablieren.

Zur Zielsetzung der Initiative im Folgenden drei Fragen an Ulrich Hamann, Vorsitzen-der der Geschäftsführung (CEO) der Bundesdruckerei GmbH.

In der Charta zur Stärkung der vertrauenswürdigen Kommunikation geht es vor allem um die Absiche-rung der E-Mail-Kommunikation. Warum ist dieser Aspekt so wichtig?

„E-Mails sind heute das wichtigste Kommunikationsmittel – im Alltag wie auch im geschäftlichen Umfeld. Was viele Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung allerdings unterschätzen: Die E-Mail-Kommunikation ist eine der größten Schwachstellen in IT-Infrastrukturen und immer wieder Einfallstor für Cyber-Attacken. Um unberechtigtes Mitlesen, das Vortäuschen falscher Absender oder die Manipulation von E-Mail-Inhalten auszuschließen, sind zwingend zusätzliche Schutzschilde nötig. Und die können aus unserer Sicht nur über den Einsatz von Verschlüsselungsverfahren in Verbindung mit Sicheren Identitäten gewährleistet werden. Sichere Identitäten und somit sichere Absender sind im digitalen Zeitalter der einzige Weg zu einer sicheren, verschlüsselten und vertrauenswürdigen Kommunikation.“

Nun gibt es ja unterschiedliche Methoden der Verschlüsselung. Warum plädieren Sie ausdrücklich für das Verfahren der Ende-zu-Ende Verschlüsselung?

„Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bewirkt, dass eine elektronische Nachricht über den gesamten Übertragungsweg – also vom Absender über den elektronischen Transportweg bis hin zum Postfach des Empfängers – sicher verschlossen und vor un¬berechtigten Zugriffen geschützt bleibt. Auf diese Weise können vertrauliche E-Mails zu keinem Zeitpunkt ausgespäht, kopiert oder manipuliert werden. Insbesondere beim Austausch geschäftskritischer oder personenbezogener Daten ist dieses Verschlüs-selungsverfahren zwingend erforderlich. Denn wenn Rechnungen, Patente oder ganze Vertragswerke in falsche Hände geraten, kann das zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten und juristischen Konse-quenzen führen.“

Werden sich auch kleine und mittelständische Unternehmen den technologischen Aufwand eines solchen Verfahrens leisten können?

„Absolut. Mit cloudbasierten Lösungen können kleine und mittelständische Betriebe ihre bestehenden Systeme direkt zum Beispiel an die Public-Key-Infrastruktur der Bundesdruckerei anbinden und zugleich Vertrauensdienste wie Zertifikate für digitale Identitäten in Anspruch nehmen. Das erspart den Aufbau kostspieliger Infrastrukturen und macht die Unternehmen schnell handlungsfähig. Darüber hinaus stehen wir interessierten Betrieben natürlich schon bei der Planung ihrer Sicherheitsmaßnahmen beratend zur Seite. In der Charta haben wir uns dazu verpflichtet, umfassend über das Thema Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu informieren, um bewusste und qualifizierte Entscheidungen zum Einsatz der Technologie zu ermöglichen. Aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt, um auch in der digitalen Kommunikation ein angemessenes Sicherheitsniveau zu erreichen und drohende wirtschaftliche Schäden abzuwenden.“